Schmerzbewältigungstraining
- Chronische
Schmerzen -
Hilfe durch
ein psychologisches Schmerzbewältigungstraining
Was sind chronische Schmerzen?
Leiden Sie unter Kopf-, Rücken- oder anderen Schmerzen? Falls ja, woran können Sie erkennen ob Ihre Schmerzen bereits chronisch sind?
· Je häufiger die Schmerzen auftreten (z.B. mehrmals täglich),
· je mehr Körperteile schmerzen,
· je öfter Sie zu Schmerzmedikamenten greifen (z.B. mehr als 10mal pro Monat) und
· je mehr Behandlungen Sie schon hinter sich haben,
desto wahrscheinlicher wird die Diagnose: chronische Schmerzen.
Chronische Schmerzen müssen anders behandelt werden - ganzheitlich.
Anders als bei den „akuten Schmerzen“, die jeder kennt, findet man bei chronischen Schmerzen oft keine eindeutige organische Ursache. Oder die organische Ursache der Schmerzen ist nicht oder nur unzureichend behandelbar. Dann muß der Schmerz direkt behandelt werden, und zwar ganzheitlich.
Ganzheitlich heißt: Die „normale“ ärztliche Behandlung reicht nicht. Neben Ärzten/innen (am besten mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ - fragen Sie danach!) sollten auch andere Berufsgruppen an der ganzheitlichen Schmerztherapie beteiligt sein. Dazu gehört auch immer ein/e Psychologe/in (am besten mit dem Titel „Psychologische/r Schmerztherapeut/in“ bzw. „Spezielle Schmerz-Psychotherapie“).
Kann psychologisches Schmerzbewältigungstraining Ihre Schmerzen lindern?
„Warum nur lindern?“, denken Sie jetzt vielleicht. „Gibt es denn keine Behandlung, die mir meine Schmerzen ganz nehmen kann?“ Auch wenn Sie es nicht gerne hören werden: Stellen Sie sich darauf ein, daß Ihr chronischer Schmerz nicht vollständig geheilt werden kann. Ein „Restschmerz“ wird auch nach einer guten (ganzheitlichen) Behandlung übrig bleiben.
„Mit diesen Schmerzen müssen Sie leben.“ Kennen Sie diesen Satz? Gehören auch Sie zu denjenigen, denen bislang niemand gesagt hat wie man das machen soll?
Sehen Sie, dabei kann Ihnen ein psychologisches Schmerzbewältigungstraining genauso helfen wie bei der Linderung der Schmerzen und bei der Einsparung von Schmerzmedikamenten. Auch letzteres kann sehr wichtig sein. Wußten Sie zum Beispiel, daß Schmerzmedikamente auch Schmerzen verschlimmern oder sogar verursachen können, wenn man sie zu häufig nimmt oder zu hoch dosiert?
Sollte man jeden chronischen Schmerz auch psychologisch behandeln?
Ja - auch wenn eine organische Ursache für den Schmerz gefunden wurde!
Psychologisches Schmerzbewältigungstraining kann Ihnen helfen den Schmerz unter Kontrolle zu halten - unabhängig von seiner Ursache.
Wie kann psychologisches Schmerzbewältigungstraining helfen?
Die meisten Schmerzen verstärken sich durch psychische Probleme. Andererseits können Schmerzen viele psychische Probleme nach sich ziehen.
Ein/e Psychologische/r Schmerztherapeut/in kann Ihnen behilflich sein, psychische Schmerzursachen, Schmerzverstärker oder unerwünschte Schmerzfolgen in Ihrem Leben aufzuspüren und zu verändern.
Dazu gehören Stress, Ängste, Ärger, Depressionen, Nervosität, Muskelverspannungen, Schonhaltungen, extreme Vermeidung körperlicher Aktivitäten, Rückzug von den Mitmenschen, negatives Denken, übersteigerte Schmerzwahrnehmung und anderes mehr.
Es sollen im folgenden Einzelbausteine des psychologischen Schmerzbewältigungstrainings skizziert werden.
Diese können sowohl zu einem Schmerzbewältigungstraining im Gruppenrahmen zusammengestellt als auch separat in der psychologischen Einzeltherapie angewandt werden.
1) Aufklärung über das Schmerzbewältigungstraining
Die Vermittlung eines plausiblen Modells der Wirkungsweise der eingesetzten Verfahren zur Schmerzbewäl tigung sollte immer am Anfang erfolgen.
2) Entspannung als Schmerzbewältigungstraining
Bei chronischen Schmerzzuständen wird v.a. die progressive Relaxation nach Jacobson (PR) empfohlen. Aber auch andere Entspannungstechniken wie z.B. Autogenes Training oder Atementspannung können je nach individueller Bevorzugung der Patienten effektiv sein.
3) Biofeedback als Schmerzbewältigungstraining
Mit Hilfe eines Biofeedback-Gerätes werden normalerweise unbewusst ablaufende physiologische Vorgänge verstärkt und in optische oder akustische Signale umgewandelt. Der Patient kann somit die betreffenden Körpervorgänge wahrnehmen und über, im einzelnen noch ungeklärte Prozesse, willkürlich in die erwünschte Richtung verändern.
Erst wenn die ökonomischere Form der progressiven Relaxation nach Jacobson versagt, sollte bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Kombinationskopfschmerz und chronischem Rückenschmerz das Elektromyographie-Feedback angewandt werden.
Hauttemperatur-Feedback oder Vasokonstriktions-Feedback (= Rückmeldung des Durchblutungszustandes der Schläfenarterie) kann bei Migräne empfohlen werden.
4) Hypnotische und imaginative (= die Fähigkeit zur bildhaften Vorstellung von Situationen u. Gegenständen betreffende) Verfahren als Schmerzbewältigungstraining
Hypnose ist eines der ältesten Verfahren psychologischen Schmerzbewäl tigung bei chronischen Schmerzen unterschiedlichster Art. Hypnotische Techniken und imaginative Übungen lassen sich definitorisch nur schwer voneinander abzugrenzen.
Man unterscheidet u.a. zwischen schmerzinkompatiblen Imaginationen (z.B. Anleitung zur Vorstellung einer angenehmen Situation) und transformierenden Imaginationen (z.B. Vorstellung, dass das schmerzende Bein in einem Eisenstiefel steckt, dessen Schrauben langsam gelöst werden).
Als besonders wirkungsvolle Anwendungsbereiche gelten die hypnotischen Behandlungen von Phantomschmerzen, Krebsschmerzen, rheumatoide Arthritis und Kopfschmerzen. Für die Stabilisierung der Erfolge scheint der Übergang von der fremdangeleiteten Suggestion zur Autosuggestion wesentlich zu sein.
5) Vermittlung innerer und äußerer Ablenkungsmöglichkeiten als Schmerzbewältigungstraining
Erfahrungsgemäß gibt es bei leichten bis mittleren Schmerzen viele wirkungsvolle Ablenkungsstrategien. Bei der Verwendung externer Stimuli zur Ablenkung (z.B. spannendes Video, Entspannungsmusik, gymnastische Übungen, Konzentration auf angenehmen Genuss oder Geschmack) ist auf deren Verfügbarkeit im Alltag und deren ausreichende Attraktivität zu achten. Nach innen gerichtete Ablenkungstechniken beinhalten u.a. die Konzentration auf Gedanken, Lern- und Gedächtnisaufgaben.
6) Operante Verfahren als Schmerzbewältigungstraining
Unter dem Begriff "operantes Verfahren" versteht man ein Verhalten, das durch seine Folgeerscheinungen (verschiedene Formen der Verstärkung/Belohnung oder Bestrafung) kontrolliert wird. Ziel der operanten Verfahren ist die Beeinflussung operanten Schmerzverhaltens durch Verstärkung und Bestrafung, beispielsweise von exzessivem Schmerzverhalten in den Bereichen:
· körperliche Schonung: Genese durch Bestrafung von Aktivität durch Schmerz / Therapie durch langsamen Aufbau von Aktivität, die unterhalb der Schmerzschwelle bleibt / Belohnung dieser Aktivitäten.
· Jammern und Klagen: Genese über Verstärkung durch besondere Zuwendung / Therapie durch Löschung (keine Zuwendung mehr bei exzessivem Klagen, dafür Verstärkung von nicht schmerzbezogener Kommunikation).
· Schmerzmittelkonsum: Genese durch Reduktion von Schmerz / Therapie über die Gabe der Medikamente nach einem festen Zeitschema.
7) Abbau hinderlicher und Aufbau förderlicher Kognitionen als Schmerzbewältigungstraining
Unter dem Begriff Kognition fallen Prozesse wie Wahrnehmung, Erkennen, Vorstellen, Urteilen, Gedächtnis, Lernen und Denken. Zunächst ist auf die Bedeutung von Kognitionen für die emotionale Befindlichkeit im allgemeinen und für das Schmerzerleben im besonderen einzugehen. Dabei kann das ABC-Modell der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie als Grundlage dienen. Nicht der Schmerzreiz an sich (Activating event) führt zu depressiven Gefühlen (Consequences) sondern beispielsweise der Gedanke (Belief system) "Mir kann niemand mehr helfen".
Weitere Schritte betreffen das Auffinden und Ersetzen hinderlicher Kognitionen (z.B. "Nichts
hilft gegen meine Schmerzen") und das Einüben förderlicher Kognitionen (z.B. "Wenn ich mich ablenke, spüre ich die Schmerzen nicht mehr so stark").
Bei allen genannten Verfahren im Rahmen eines psychologischen Schmerzbewältigungstraining s ist darauf zu achten, dass diese lege artis vermittelt und von den Patienten vorschriftsmäßig durchgeführt werden. Ein ungeschulter Behandler, der an den Beschwerden des Patienten orientierte Gespräche mit der Durchführung einer Kognitiven Verhaltenstherapie gleichsetzt, braucht sich über die ausbleibenden positiven Effekte ebenso wenig zu wundern, wie eine Patientin, die die progressive Relaxation nach Jacobson nicht ausreichend übt.
Eine (Einzel-)Psychotherapie bei Schmerz ist etwa dann indiziert, wenn neben den Schmerzen auch eine depressive Störung vorliegt oder die Schmerzen durch ihre wichtige Funktion innerhalb der Partnerschaft aufrechterhalten werden (z.B. Rücksichtnahme/Hilfestellung des Partners erst seit dem Bestehen der Schmerzproblematik). Die Psychotherapie bei Schmerz kann natürlich Elemente des Schmerzbewältigungstrainings enthalten. Primär zielt sie jedoch auf psychosoziale Probleme ab, die zusätzlich zu den Schmerzen bestehen und von denen anzunehmen ist, daß sie für die Schmerzentstehung und/oder -aufrechterhaltung relevant sind.
Für viele psychische Probleme (z.B. Ängste, depressive Störungen, usw.) stellt die Kognitive Verhaltenstherapie ein wirkungsvolles psychologisches Behandlungsverfahren dar.
Hier noch eine sehr gute psychologische Literaturempfehlung: Schmerzen überwinden (einfach anklicken)
Aktualisiert: 17.12.05
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Schmerzklinik (1): www.schmerzklinik-1a.de, Schmerzklinik (2): www.schmerzklinik-1.de
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